Review: Portal 2

Die Review Rubrik erlebt mit Portal 2 eine Wiedergeburt, wollen wir doch mal schauen, was daraus wird. Portal 2 ist der Nachfolger zu, wie sollte es auch anders sein, Portal und ist im Gegensatz zum Vorgänger ein Vollpreisspiel, was aber nicht zuletzt daran liegt, das der Umfang von einer Stunde auf zwölf Stunden hochgeschraubt wurde. In diesen zwölf Stunden sind Singleplayer und Coop enthalten, das Spiel bietet aber noch viel mehr als blos einen großen Umfang. Was genau, erfahrt ihr beim weiterlesen.

Brilliante Marketingstrategie

Meine Freude auf Portal 2 war riesig. Wobei… eigentlich auch erst als das ARG (Alternate Reality Game) von Valve gestartet wurde. In diesem ARG musste die Community Rätsel lösen, mit GLaDOS reden und herausfinden was hinter den vermeindlich infizierten steckte. Das war dann aber auch nur das Vorspiel, denn eigentlich ging es um den Potato Sack. In diesem Spielebundle waren dreizehn sehr gute Indigames enthalten, welche von der Steam Community gespielt werden mussten um sogenannte Computations (CPUs) zu sammeln. Jedesmal wenn ein Spiel bei der GLaDOS@Home Seite 100% erreichte, wurden ungefähr 50 Minuten vom Countdown herruntergenommen, sodass wir das Spiel um die 10 Stunden vor Release bekamen. Ausserdem konnte man die namensgebenden Potatos (Kartoffeln) sammeln, und kurz vor Schluss des Countdowns, wurden diese dann als Übertaktungsmaßnahme benutzt um GLaDOS schneller zu starten.

Wer mir jetzt noch folgen kann, dem kann ich auch noch erzählen, das diese Vorgehensweise eine extrem schlaue Marketingstrategie ist und mich erst so richtig hypte. Vor dem ARG dachte ich mir: “Okay noch eine Woche, das ist zu schaffen ohne sich groß drüber aufzuregen” und als das ARG dann so richtig im Gange war, wollte ich es unbedingt haben und habe das komplette Wochenende vor dem Release ständig die GLaDOS@Home Page aktualisiert – ich glaube so oft wie an diesen Tagen habe ich noch nie F5 in meinem Leben gedrückt.

Gute Story mit Wendungen (keine Spoiler)

Als es dann so weit war und ich das Spiel am 19.4 um circa 7:00 Uhr morgens endlich encrypten und spielen durfte, machte ich mich natürlich sofort über die Solokampagne her. Die Kampagne fängt genau dort an, wo das alternative Ende zu Portal aufhörte: Nachdem man von den Wachen wieder nach Aperture Science zurückgeholt wurde, wacht man in einem gefakten Hotelzimmer auf, welches einem als ewigen Schlafplatz dient – jedenfalls so lange bis man dann wieder von GLaDOs zum testen aufgeweckt wird. GLaDOS ist jedoch im ersten Teil von uns besiegt worden und ihre Einzelteile liegen immernoch über der Facility von Aperture Science rum, darauf wartend reaktiviert zu werden. Wer weckt uns also auf? Ein Roboter in Form eines Energy Cores, namens Wheatly. Wheatly hat einen sehr britischen Akzent und reisst einen (guten) Witz nach dem anderen. Das liegt vorallem daran das er vom Comedian Stephen Merchant gesprochen wird.

Wheatly will euch befreien, seine Schusseligkeit schafft es jedoch circa 20 Minuten nach Spielstart GLaDOS zu reaktivieren. War wohl nichts mit fliehen, denn nun dürft ihr wieder Tests für GLaDOS machen und ohne irgendetwas zu spoilern, kann man sagen, das sich die Story ordentlich wendet und man, Wheatly ausgeschlossen, drei neue Charaktere kennen lernt, einen davon eher passiv, aber das solltet ihr lieber selbst herausfinden, denn sonst verdirbt das noch den ganzen Spaß. Trotz der neuen Charaktere schafft es das Spiel immernoch eine Atmosphäre zu schaffen, in der es einem so vorkommt als würde man in einer Apokalypse leben.

Herausfordernde und trotzdem gut belohnende Rätsel

Im ersten Teil hatte man nur die Portal Gun, welche zwei Portale schiessen konnte. Das kann sie auch jetzt noch, aber nun hat man viel mehr Sachen mit denen man etwas anstellen kann. Laser, Beams, Lichtbrücken und Farb-Gels gehören zu den neuen Elementen, welche das Spiel an einigen Stellen ziemlich schwer und vorallem sehr abwechslungsreich machen. Laser müssen durch Blöcke umgeleitet, Beams durch Schalter umgedreht, Lichtbrücken durch Portale manipuliert und Farb-Gels an den richtigen Platz angebracht werden.

Lasst euch davon aber nicht abschrecken, denn bis ihr soweit seid um solche Rätsel zu lösen, wisst ihr auch wie es geht, denn die Einführung der einzelnen Elemente wird sehr sorgfältig gehegt. Wenn ihr mal ein Rätsel habt, wo ihr echt kurz davor seid aufzugeben, dann findet ihr die Lösung nach reichlichen Überlegungen und werdet anschliessend mit extrem gut unterhaltenden Dialogen belohnt. Ihr seid kurz vorm heulen, weil euer Gehirn total überfragt ist? Macht nichts, der Lachflash danach bringt euch schon wieder auf andere Gedanken. So belohnend wie dieses System war schon lange nichts mehr.

Zu zweit lässt es sich besser testen

Eigentlich wollte ich “Vier Augen sehen besser als zwei” in die Überschrift packen, aber das hätte nicht wirklich gepasst, da die beiden Roboter die man im Coop spielt, Altas und P-Body, nur je ein Auge haben! Habt ihr euch im Coop für einen der beiden Charaktere entschieden, (Atlas ist blau und dick und klein, P-Body ist orange, dünn und groß) so eröffnet ihr das Spiel mit einen eurer Steam- bzw. Xbox Live Freunde in der 360-Version. Auch im Coop werden die oben genannten Elemente angewendet, jedoch habt ihr hier natürlich vier Portale statt zwei zur Verfügung, was das ganze aber nicht unbedingt leichter macht, denn die 5×8 Testchamber sind extra auf den Coop ausgelegt worden.

Neben dem Rätsel lösen kann man sich natürlich auch im Coop Modus jede Menge Gemeinheiten von GLaDOS anhören, aber auch Coop-exklusive Features wie bestimmte Gesten (z.B. Schere-Stein-Papier, Kopf schütteln, lachen, High Five) oder das verkleiden des Models mit Items aus dem Shop (Skins gegen echtes Geld) oder freigespielten Dingen sind möglich. Zu guter letzt erzählt der Coop Modus eine eigene Geschichte, die man nicht wirklich Story nennen kann, aber es ist immerhin besser als garnichts und passt gut ins Universum rein.

Die technische Seite der Dinge

Portal 2 sieht im Gegensatz zu Portal nicht mehr so karg und trist aus. Während im ersten Teil alles sehr plastisch und vorallem weiss wirkte, hat man beim Nachfolger schon mehr abwechslung. Oft ist man ausserhalb von Aperture Science und rätselt sich durch die Ruinen durch, aber auch die Innenlevel gibt es wieder, welche nun ebenfalls besser aussehen. Das Wasser hat ein großes Upgrade erfahren, Gel sieht wirklich so glibberich aus wie es sein sollte und viele Wände sind einfach schmutzig, zerkratzt oder gar bemalen.

Hardwaremäßig zieht Portal 2 auch nicht gerade viel mehr Leistung als sein Vorgänger, immerhin ist es ja noch die Source Engine, welche im Moment so alt ist das der Code auf Krücken läuft, aber trotzdem sieht es immernoch ganz nett aus. Sieht es schöner aus als Crysis? Absolut, denn das ist meiner Meinung nach mehr eine Stil- als eine Enginefrage.

Playstation 3 Version und andere Extras

Würde ich mich nochmal für eine der drei Versionen (PS3, PC, Xbox 360) entscheiden müssen, dann würde meine Wahl ganz klar auf die PS3 Version fallen, denn hier ist auch ein Code für eine vollwertige PC Copy enthalten. Zwei mal Portal 2 zum Preis von einem quasi. Wenn ihr also eine PS3 euer eigen nennt und euer Freund “nur” einen PC hat, dann könnt ihr euch auch einfach die PS3 Version kaufen und somit trotzdem zu zweit spielen, denn diese unterstützt ausserdem Steam. Die Xbox 360 Nutzer sind wie immer zu bemitleiden, weil ihre Konsole immernoch kein richtiges HD kann (nur fake 720p) und sie auch nur über Xbox-Live miteinander spielen können.

Besonders erwähnenswert, und in allen Versionen verfügbar, wären vielleicht noch Developer Commentary für Singleplayer und Cooop, Achievements die Sinn machen und einen interaktiven Super 8 Film-Trailer, der ganz nett ist.

Fazit

Wer hätte gedacht das man mit zwei Portalen so viel anstellen kann? Ich glaube das wussten nicht einmal die Indi Entwickler, welche damals für Portal (Narbacular Drop) und nun auch für Portal 2 (Tag – The Power of Paint) gekauft wurden. Ich bin total begeistert und kann es jedem empfehlen. Ich habe nichts zu meckern und ihr wisst, das dass sonst meine Lieblingsbeschäftigung ist. Portal 2 ist nun eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Nur Heavy Rain ist besser.

Entgegen meiner alten Reviews, wird es ab jetzt keine Wertung mehr geben, weil ich Wertungen für ziemlich schwachsinnig halte und für das hielt ich sie auch als ich sie noch bewertet habe. Wann gibt man eine 7 und wann eine 8? Das kann glaube ich niemand so genau beantworten und deshalb gebe ich auch nur eine (evtl. eingeschränkte) Empfehlung oder eben keine Empfehlung.

Andere empfohlene Reviews: ‘[Review] Portal 2′ by Twaldigas

Posted on 5. Mai 2011, in Review and tagged , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink. 2 Kommentare.

  1. Dafür dass du schon lange kein Review mehr geschrieben hast, oder gerade deshalb, ist es echt gut geworden. Sehr ausführlich und du gehst auf das wichtigste ein. Auch die Aufteilung gefällt mir. Ein paar Bilder wären vielleicht noch ganz gut, aber die scheinst du ja auf deinem gesamten Blog absichtlich weg zu lassen.

    Bitte schreibe weitere! Da du ja viel mehr Spiele zockst als ich, würden die mich auf jeden Fall interessieren.

    Vielen Dank noch für den Link auf mein Review.

    Gruß Twaldigas

    P.S.: Du hast doch jetzt eine richtige Adresse im Internet. Bleibt es bei der Umleitung auf deinen WordPress-Blog oder kommt da noch was eigenes?

    • Bleibt erstmal bei der Umleitung, weil ich so gut wie gar keine Ahnung von Server Zeug hab und mir ausserdem im Moment die Lust dazu fehlt mich da reinzufinden.

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